Die Evakuierung erfolgt ausschließlich über ein kontrolliertes Fähr- und Luftbrückensystem. Die Passagiere werden per Bootstransfer vom Schiff an Land gebracht, dort medizinisch überprüft und anschließend direkt zu bereitstehenden Flugzeugen transportiert. Ziel ist es, alle Personen innerhalb kürzester Zeit in ihre Herkunftsländer zu repatriieren. Laut Gesundheitsministerium sind bisher 94 Menschen erfolgreich evakuiert worden.
🦠 Gesundheitslage an Bord: Drei Tote, mehrere bestätigte Fälle
Der Ausbruch des seltenen Andes-Hantavirus hatte die internationale Aufmerksamkeit auf das Schiff gelenkt. Insgesamt wurden sechs bestätigte Infektionen und mehrere Verdachtsfälle gemeldet. Drei Menschen sind bereits verstorben. Die Erkrankung ist besonders brisant, da diese Virusvariante – anders als andere Hantaviren – Mensch-zu-Mensch-Übertragungen ermöglichen kann.
Die spanische Gesundheitsministerin Mónica García betonte heute erneut, dass das Risiko für die Bevölkerung der Kanaren „sehr gering“ sei. Alle Maßnahmen seien darauf ausgelegt, jeglichen Kontakt zwischen Passagieren und Einwohnern zu verhindern.
⚓ Warum das Schiff nicht anlegen durfte
Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, hatte sich zunächst gegen das Fondeo des Schiffes ausgesprochen, solange nicht garantiert war, dass alle Passagiere am selben Tag ausgeflogen werden können. Erst nachdem Madrid und die WHO ein vollständiges Evakuierungskonzept vorlegten, stimmte die Regionalregierung zu – unter der Bedingung, dass das Schiff nicht am Pier festmacht, sondern ausschließlich vor Anker liegt.
Innenminister Fernando Grande-Marlaska bestätigte zudem eine Sperrzone von einer Seemeile rund um das Schiff, um unbefugte Annäherungen zu verhindern.
✈️ Repatriierung: 23 Nationen beteiligt
Die Evakuierung ist ein logistisches Mammutprojekt: 23 Länder haben eigene Rückführungsflüge organisiert. Die Passagiere werden nach der Ausschiffung direkt zum Flughafen Teneriffa Süd gebracht, wo sie ohne Zwischenkontakt in bereitstehende Maschinen einsteigen.
Die 14 spanischen Staatsbürger wurden bereits nach Madrid ausgeflogen und befinden sich im Militärkrankenhaus Gómez Ulla in Quarantäne. Laut Gesundheitsministerium sind sie „in gutem Zustand“.
😔 Tragischer Zwischenfall während des Einsatzes
Während der Evakuierungsarbeiten kam es zu einem tragischen Ereignis: Ein 63-jähriger Guardia-Civil-Beamter, der Teil des Einsatzteams war, erlitt einen Herzinfarkt und verstarb trotz sofortiger medizinischer Hilfe. Der Vorfall ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Einsatzleitungszeltes.
🔍 Wie geht es weiter?
Die Evakuierung soll laut Innenministerium spätestens am heutigen Montag vollständig abgeschlossen sein. Danach wird die MS Hondius Kurs auf die Niederlande nehmen. Die WHO und die spanischen Behörden werden die Kontaktketten weiterverfolgen und zusätzliche PCR-Tests durchführen.
Für die Kanaren endet damit eine der komplexesten Gesundheitsoperationen der letzten Jahre – ein Einsatz, der weltweit beobachtet wurde und die Inseln erneut in den Mittelpunkt internationaler Krisenkoordination rückte.

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